WEEE-Nummer beantragen: Anleitung für Amazon-Seller
WEEE-Nummer für Amazon FBA: welche Produkte betroffen sind, wie die Registrierung bei der Stiftung EAR abläuft, was sie kostet und was danach Pflicht ist.
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Die WEEE-Registrierung ist eine Pflicht, die viele Amazon-Seller erst bemerken, wenn Amazon ein Angebot nicht freischaltet. Das ist vermeidbar: Bei einem vollständigen Antrag rechnet die Stiftung EAR selbst mit einer Bearbeitungszeit von in der Regel zwei bis vier Wochen. Schwieriger ist oft die Frage „Brauche ich das überhaupt?” — denn der Begriff „Elektrogerät” reicht im Elektrogesetz (ElektroG) weiter, als viele erwarten.
Was die WEEE-Registrierung ist
Das ElektroG setzt die EU-WEEE-Richtlinie 2012/19/EU in deutsches Recht um. Wer als Hersteller Elektro- oder Elektronikgeräte in Deutschland in Verkehr bringt, muss sich vorher bei der Stiftung Elektro-Altgeräte Register (Stiftung EAR) registrieren — und zwar je Marke und Geräteart — und die Rücknahme und Entsorgung der Altgeräte mitfinanzieren.
Als Hersteller gilt nicht nur, wer selbst produziert, sondern unter anderem auch:
- wer Geräte unter eigenem Namen oder eigener Marke vertreibt (der typische Private-Label-Fall),
- wer Geräte als Erster aus dem Ausland auf den deutschen Markt bringt,
- wer ohne Sitz in Deutschland direkt an Endnutzer in Deutschland verkauft.
Unternehmen ohne Niederlassung in Deutschland müssen einen Bevollmächtigten beauftragen — schriftlich, auf Deutsch und für mindestens drei Monate.
Nach der Registrierung erhältst du deine Registrierungsnummer („WEEE-Reg.-Nr. DE …”). Sie gilt nur für Deutschland — andere EU-Länder haben eigene Register.
Welche Produkte betroffen sind
Seit 2018 gilt das ElektroG grundsätzlich für sämtliche Elektro- und Elektronikgeräte („offener Anwendungsbereich”). Faustregel: Alles, was Strom aus Netz, Akku, Batterie, Solarzelle oder USB braucht, um seine Funktion zu erfüllen.
Eindeutig erfasst
- Küchengeräte mit Strom: Mixer, Wasserkocher, Toaster, elektrische Pfeffermühlen
- Beleuchtung: LED-Streifen, LED-Lampen, Nachtlichter
- USB-Geräte: USB-Ventilatoren, -Luftbefeuchter, -Tassenwärmer
- Batteriebetriebene Geräte: elektrische Zahnbürsten, Taschenlampen, Fernbedienungen
- Netzteile, Ladegeräte, USB-Hubs
- Spielzeug mit Elektronik: ferngesteuerte Autos, sprechende Puppen, Lerncomputer
Häufig übersehen
- Solar-Gartenleuchten — Solarzelle, LED und Akku
- Lichterketten — auch als reine Deko
- Grillthermometer mit Display
- Kosmetikspiegel mit LED-Ring
- Fertig konfektionierte Verlängerungskabel und Steckdosenleisten — seit 1. Mai 2019 auch als „passive” Geräte erfasst
- Möbel und Küchenwagen mit eingebauter Elektrik (Steckdosenleiste, LED, Lautsprecher) — hier ist die Abgrenzung zwischen Elektrogerät und bloßem Bauteil entscheidend
Nicht erfasst
- Bloße Bauteile, z. B. Kabel als Meterware, Aderendhülsen, Kabelschuhe
- Rein mechanische Produkte — Schneebesen, manuelle Pfeffermühlen
- Batterien selbst — für sie gilt das eigene Batterierecht (siehe unten)
Im Zweifel kannst du bei der Stiftung EAR eine kostenpflichtige Bescheinigung über die Registrierungspflicht beantragen, statt zu raten.
Schritt für Schritt: WEEE-Registrierung bei der Stiftung EAR
Schritt 1: Kategorie und Geräteart bestimmen
Das ElektroG kennt sechs Kategorien:
- Wärmeüberträger (z. B. Kühlschränke, Klimageräte)
- Bildschirme, Monitore und Geräte mit Bildschirmen über 100 cm²
- Lampen
- Großgeräte — mindestens eine äußere Abmessung über 50 cm
- Kleingeräte — keine äußere Abmessung über 50 cm (hier landen die meisten FBA-Produkte)
- Kleine IT- und Telekommunikationsgeräte — keine äußere Abmessung über 50 cm
Registriert wird nicht das einzelne Produkt, sondern die Geräteart innerhalb der Kategorie. Dabei unterscheidet sich, ob die Geräte in privaten Haushalten genutzt werden können (b2c) oder nicht (b2b).
Schritt 2: Benutzeraccount im ear-Portal anlegen
Auf der Website der Stiftung EAR legst du im ear-Portal einen Hersteller-Account an — oder meldest dich mit einem vorhandenen „Mein Unternehmenskonto” an. Danach hinterlegst du einen Vertretungsberechtigten und deine Zahlungsdaten.
Schritt 3: Registrierungsantrag stellen
Für jede Kombination aus Marke und Geräteart stellst du einen eigenen Antrag. Die Marke muss keine eingetragene Marke sein; ohne Marke nutzt du den Firmennamen. Unzulässig sind Angaben wie „no name”, reine Typen- oder Gerätebezeichnungen.
Schritt 4: Garantie nachweisen oder Glaubhaftmachung abgeben
- b2c-Geräte: Du musst eine insolvenzsichere Garantie für die Finanzierung der Entsorgung nachweisen — jährlich. Möglich sind u. a. eine Bürgschaft oder Garantie einer Bank oder eines Kreditversicherers oder die Teilnahme an einem von der Stiftung EAR als geeignet festgestellten kollektiven Garantiesystem.
- b2b-Geräte: Du machst glaubhaft, dass die Geräte gewöhnlich nicht in privaten Haushalten genutzt werden, und legst ein Rücknahmekonzept vor.
Die Garantie hat nichts mit der Gewährleistung gegenüber Kunden zu tun.
Schritt 5: Registrierungsbescheid abwarten
Anträge werden in der Reihenfolge des Eingangs bearbeitet; ein Vorziehen ist nicht möglich. Erst mit dem Registrierungsbescheid (per E-Mail) darfst du die Geräte in Verkehr bringen. Du wirst dann im öffentlichen Herstellerverzeichnis geführt.
Schritt 6: WEEE-Nummer bei Amazon hinterlegen
Die Nummer trägst du im Bereich für erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) in Seller Central für die betroffenen Marken und Gerätearten ein.
Hintergrund: Seit 2023 verbietet das ElektroG Online-Marktplätzen, Angebote von nicht registrierten Herstellern zu ermöglichen. Auch Fulfillment-Dienstleister — also Amazon bei FBA — dürfen solche Geräte nicht lagern, verpacken oder versenden.
Pflichten nach der Registrierung
Die Registrierung ist nicht das Ende:
- Registrierungsnummer angeben — beim Anbieten der Geräte und auf Rechnungen.
- Kennzeichnung — das Symbol der durchgestrichenen Mülltonne dauerhaft auf dem Gerät (nur ausnahmsweise auf Verpackung oder Anleitung) sowie eine eindeutige Herstellerkennzeichnung.
- Monatliche Mengenmeldung für b2c-Geräte an die Stiftung EAR, jeweils bis zum 15. des Folgemonats — auch als Nullmeldung, wenn du nichts in Verkehr gebracht hast. Für b2b-Geräte gilt eine jährliche Meldung.
- Jahres-Statistik-Mitteilung bis zum 30. April des Folgejahres.
- Abholpflichten — Hersteller müssen Altgeräte bei kommunalen Sammelstellen abholen, wenn die Stiftung EAR das anordnet.
- Änderungen an registrierten Daten unverzüglich mitteilen.
Was passiert, wenn du dich nicht registrierst?
- Amazon darf deine Elektrogeräte nicht verkaufen und nicht per FBA versenden — das ist gesetzliche Pflicht des Marktplatzes, keine reine Hausregel.
- Bußgeld: Wer sich nicht oder nicht rechtzeitig registriert oder unregistriert Geräte in Verkehr bringt, riskiert bis zu 100.000 €; andere Verstöße, etwa bei Meldepflichten, bis zu 10.000 €. Zuständig für die Verfolgung ist das Umweltbundesamt.
- Abmahnung: Registrierte Wettbewerber können gegen unregistrierte Anbieter wettbewerbsrechtlich vorgehen.
Batterien: die verwandte Pflicht
Enthält dein Produkt Batterien oder Akkus — auch fest eingebaute —, gilt zusätzlich das Batterierecht. Seit Mitte August 2025 gelten die Regeln der EU-Batterieverordnung (EU) 2023/1542 zur Herstellerverantwortung, seit 7. Oktober 2025 ergänzt durch das deutsche Batterierecht-Durchführungsgesetz (BattDG). Es hat das frühere Batteriegesetz (BattG) abgelöst.
- Registrierung bei der Stiftung EAR — je Marke und Batteriekategorie, vor der ersten Bereitstellung. Die Registrierung ist kostenpflichtig.
- Beteiligung an einer Organisation für Herstellerverantwortung (OfH) für jede Batteriekategorie — oder individuelle Erfüllung der Herstellerpflichten.
- Ausländische Hersteller brauchen einen Bevollmächtigten.
WEEE und Batterien sind getrennte Registrierungen. Eine LED-Taschenlampe mit eingebautem Akku braucht beides.
Was es kostet
Die Gebühren der Stiftung EAR sind in der Gebührenverordnung ElektroGBattDGGebV festgelegt (Stand Oktober 2026, netto):
| Position | Gebühr |
|---|---|
| WEEE-Registrierung je Marke und Geräteart | 9,50 € einmalig |
| Quartalsgebühr je Registrierungsnummer | 32,80 € pro angefangenem Quartal |
| Batterie-Registrierung je Marke und Batteriekategorie | 16,40 € einmalig |
| Quartalsgebühr Batterie-Registrierungskonto | 3,80 € pro angefangenem Quartal |
| Bescheinigung über die Registrierungspflicht (ElektroG) | 38,50–1.118 € je nach Prüfaufwand |
Beispiel der Stiftung EAR für einen b2c-Hersteller mit einer Marke in fünf Gerätearten und kollektivem Garantiesystem: 47,50 € einmalig und 150,20 € jährlich wiederkehrend an Gebühren.
Dazu kommen Kosten, die von Menge und Anbieter abhängen: Garantiesystem, Abholung und Entsorgung der Altgeräte, Beteiligung an einer OfH für Batterien sowie ggf. ein Dienstleister für die Meldungen. Hol dafür mehrere Angebote ein.
Checkliste
- Prüfen, ob dein Produkt unter das ElektroG fällt — im Zweifel Bescheinigung bei der Stiftung EAR beantragen.
- Batterierecht prüfen, wenn Batterien oder Akkus enthalten sind.
- Garantie organisieren (b2c) oder Glaubhaftmachung und Rücknahmekonzept vorbereiten (b2b).
- Registrierung bei der Stiftung EAR beantragen — zwei bis vier Wochen einplanen.
- WEEE-Nummer in Seller Central hinterlegen und auf Angeboten und Rechnungen angeben.
- Monatliche Mengenmeldung im Kalender verankern.
Häufig gestellte Fragen
Brauche ich eine WEEE-Nummer für Amazon?
Ja, wenn du als Hersteller Elektrogeräte in Deutschland in Verkehr bringst — also auch als Private-Label-Seller mit eigener Marke oder als Erstimporteur. Amazon darf Elektrogeräte nicht registrierter Hersteller weder anbieten noch per FBA versenden. Verkaufst du nur Fremdmarken, deren Hersteller registriert ist, brauchst du in der Regel keine eigene Registrierung.
Wie beantrage ich eine WEEE-Nummer?
Im ear-Portal der Stiftung EAR: Account anlegen, Vertretungsberechtigten und Zahlungsdaten hinterlegen, je Marke und Geräteart einen Registrierungsantrag stellen und bei b2c-Geräten eine insolvenzsichere Garantie nachweisen. Nach Prüfung erhältst du den Registrierungsbescheid mit deiner Nummer per E-Mail.
Was kostet die WEEE-Registrierung?
Die Stiftung EAR berechnet 9,50 € je Marke und Geräteart einmalig sowie 32,80 € pro Quartal und Registrierungsnummer. Dazu kommen variable Kosten für Garantie, Altgeräte-Abholung und ggf. Dienstleister, die von Menge und Anbieter abhängen.
Wer braucht eine WEEE-Nummer?
Hersteller im Sinne des ElektroG: wer Elektrogeräte herstellt, unter eigener Marke vertreibt, als Erster nach Deutschland importiert oder ohne Sitz in Deutschland direkt an Endnutzer hier verkauft. Ausländische Hersteller brauchen zusätzlich einen Bevollmächtigten in Deutschland.
Was passiert, wenn ich mich nicht registriere?
Amazon darf deine Elektrogeräte nicht anbieten und nicht versenden. Außerdem drohen Bußgelder bis zu 100.000 € und Abmahnungen durch registrierte Wettbewerber.
Wie lange dauert die WEEE-Registrierung?
Laut Stiftung EAR bei vollständigem und korrektem Antrag in der Regel zwei bis vier Wochen; bei hohem Antragsaufkommen auch länger. Danach laufen die Pflichten weiter — vor allem die monatliche Mengenmeldung.
Brauche ich neben WEEE auch eine Batterie-Registrierung?
Ja, wenn dein Produkt Batterien oder Akkus enthält. Das ist eine eigene, kostenpflichtige Registrierung bei der Stiftung EAR je Marke und Batteriekategorie, dazu kommt die Beteiligung an einer Organisation für Herstellerverantwortung.
Wenn du die LUCID-Registrierung (Pflicht aus dem Verpackungsrecht) und die EORI-Nummer noch nicht hast, plane alle drei zusammen — die Bearbeitungszeiten laufen parallel.
Quellen
- Stiftung EAR: WEEE-Registrierung beantragen
- Stiftung EAR: Kosten und Gebühren
- Stiftung EAR: Pflichten als Hersteller von Elektrogeräten und Batterien
- ElektroG § 6 Registrierung (gesetze-im-internet.de)
- ElektroG § 27 Mitteilungspflichten (gesetze-im-internet.de)
- ElektroG § 45 Bußgeldvorschriften (gesetze-im-internet.de)
- Umweltbundesamt: Passive Elektrogeräte im ElektroG
- BattDG § 5 Registrierung der Hersteller (gesetze-im-internet.de)
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Geschrieben von
Ekaterina Rubtcova
Amazon-Verkäuferin seit 2018 · Gründerin der Kochgeschirr-Marke Daniks · Gründerin von Daniks.AI
Mein Daniks-Kochgeschirr ist Top-1 in Deutschland und aktuell Top-20 in den USA. Um die PPC dafür zu steuern, habe ich Daniks.AI gebaut — heute im Einsatz bei hunderten Amazon-Marken. In diesem Blog zeige ich, wie ich wirklich arbeite. Keine Kurse, keine Upsells.


