Amazon FBA Import aus China nach Deutschland — Anleitung
Die meisten Amazon-FBA-Seller in Deutschland sourcen aus China. Der Prozess klingt kompliziert — Zoll, Einfuhrumsatzsteuer, Incoterms, EORI, Spediteur — ist aber machbar, wenn du die Schritte einmal verstanden hast. Hier ist die Anleitung, die ich mir gewünscht hätte, als ich 2019 bei Daniks den ersten Container bestellt habe.
Bevor du importierst: drei Voraussetzungen
1. EORI-Nummer
Ohne EORI-Nummer kein Import in die EU. Beantragung dauert 1–3 Wochen beim Zoll und kostet nichts. Die vollständige Anleitung habe ich separat geschrieben: EORI-Nummer beantragen.
2. Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.)
Brauchst du für die Einfuhrumsatzsteuer-Anmeldung. Beantragst du beim Bundeszentralamt für Steuern — normalerweise hast du die, wenn du bereits als Unternehmer registriert bist.
3. Rechtsform geklärt
GmbH, UG oder Einzelunternehmen — bevor du 5.000 € in Ware investierst, sollte deine Rechtsform stehen. Details im GmbH/UG/Einzelunternehmen-Artikel.
Der Import-Prozess Schritt für Schritt
Schritt 1: Muster bestellen und prüfen
Bevor du eine Großbestellung aufgibst: 2–3 Muster von verschiedenen Lieferanten bestellen. Per Express (DHL, FedEx, UPS) dauert das 5–7 Tage und kostet 30–80 € pro Muster inkl. Versand.
Prüfe:
- Verarbeitungsqualität gegen dein Anforderungsprofil
- Verpackung — passt sie in die angestrebte FBA-Größenklasse?
- Zertifizierungen — ist das, was der Lieferant behauptet, auf dem Produkt?

Schritt 2: Incoterms verstehen und verhandeln
Incoterms regeln, wer welche Kosten und Risiken beim Transport trägt. Die drei relevanten für FBA-Import:
FOB (Free on Board) — der Standard für die meisten FBA-Seller:
- Lieferant übernimmt Kosten bis zum Hafen in China (Transport zur Verschiffung, Exportzoll, Verladung)
- Ab Schiffsverladung bist du verantwortlich (Seefracht, Versicherung, Import-Zoll, Inlandstransport)
- Empfehlung: FOB ist bei 90 % der Bestellungen die richtige Wahl
EXW (Ex Works) — der billigste Preis, aber du trägst alles:
- Du holst die Ware ab Fabrik ab
- Du organisierst den Inlandstransport in China, Exportzoll, alles
- Nur sinnvoll, wenn du einen erfahrenen Spediteur mit China-Büro hast
DDP (Delivered Duty Paid) — der Lieferant liefert bis zu dir, inklusive Zoll:
- Klingt bequem, ist aber teurer und du hast weniger Kontrolle
- Zoll-Papiere laufen über den Lieferanten — bei Problemen hast du keinen Zugriff
- Nur sinnvoll bei Kleinstmengen oder wenn der Lieferant das routinemäßig für DE-Kunden macht
Schritt 3: Spediteur finden
Ein guter Spediteur ist der wichtigste Partner im Import-Prozess. Er übernimmt:
- Abholung beim Lieferanten (bei FOB: Organisation ab Hafen China)
- Seefracht oder Luftfracht
- Zollabwicklung in Deutschland
- Zustellung an FBA-Lager oder dein Prep-Center
Wo finden: Flexport, Freightos, Forceget sind bekannte Plattformen für Angebote. Alternativ lokale Spediteure über Empfehlungen aus Seller-Communities. Ich nutze inzwischen einen mittelständischen Spediteur aus Hamburg, den mir ein anderer Seller empfohlen hat — bei ihm kosten Zollformalitäten pauschal 75 € pro Sendung.
Vergleiche mindestens 3 Angebote. Die Preisunterschiede bei Seefracht sind oft 20–40 % für denselben Service.
Schritt 4: Versandart wählen
Seefracht (Sea Freight):
- Dauer: 30–45 Tage (China → Hamburg/Bremerhaven)
- Kosten: 2,50–5,00 € pro kg (je nach Volumen und aktuellen Raten)
- Sinnvoll ab: 2+ CBM (Kubikmeter) oder 200+ kg
- Varianten: FCL (ganzer Container, 20’ oder 40’) oder LCL (Teilladung, mit anderen Sendungen)
Luftfracht (Air Freight):
- Dauer: 7–12 Tage
- Kosten: 5,00–10,00 € pro kg
- Sinnvoll bei: kleinen, leichten Produkten oder wenn du schnell nachbestellen musst
Express (DHL/FedEx/UPS):
- Dauer: 3–7 Tage
- Kosten: 8,00–15,00 € pro kg
- Sinnvoll bei: Mustern, Erstsendungen unter 50 kg, Notfall-Nachbestellungen
Mein Daniks-Richtwert: Erste Bestellung per Luftfracht (schneller, überschaubare Mengen, weniger Risiko). Ab der zweiten Bestellung Seefracht — die Kostenersparnis rechtfertigt die längere Wartezeit.

Schritt 5: Zoll und Einfuhrumsatzsteuer
Wenn deine Ware in Deutschland ankommt, fallen zwei Kosten an:
Zoll (Einfuhrzoll):
- Abhängig von der Warenklassifikation (TARIC-Code / Zolltarifnummer)
- Typisch für Konsumgüter: 0–12 % auf den Warenwert (CIF = Warenwert + Fracht + Versicherung)
- Deinen TARIC-Code findest du im EU-Zolltarif-Portal
- Beispiel: Edelstahl-Küchenutensilien → TARIC 7323 → Zollsatz 3,5 %
Einfuhrumsatzsteuer (EUSt):
- 19 % auf den Gesamtwert (Warenwert + Fracht + Zoll)
- Die EUSt kannst du als Vorsteuer in deiner USt-Voranmeldung geltend machen — sie ist also ein durchlaufender Posten, kein echter Kostenfaktor. Aber du musst sie vorfinanzieren
- Beispiel: 5.000 € Warenwert + 300 € Fracht + 185 € Zoll = 5.485 € → EUSt 19 % = 1.042 €
Wichtig: die EUSt-Vorfinanzierung überrascht Anfänger. Bei einer 10.000-€-Bestellung musst du ~2.100 € EUSt vorstrecken, die du erst bei der nächsten USt-Voranmeldung zurückbekommst (also 1–3 Monate später).

Schritt 6: Prep und Einlieferung ans FBA-Lager
Deine Ware kommt beim Spediteur oder deinem Prep-Center an. Dort passiert:
- FBA-Etikettierung (FNSKU-Labels auf jede Einheit)
- Verpackungskontrolle — stimmen die Maße mit der angestrebten Größenklasse überein?
- Qualitätskontrolle — Stichproben prüfen (mindestens 10 % der Einheiten)
- Sendung in Seller Central erstellen und Versandetiketten drucken
- An FBA-Lager versenden — idealerweise auf 4–6 Lager verteilt, um Inbound Placement Fees zu sparen
Die häufigsten Import-Fehler
Fehler 1: TARIC-Code falsch klassifiziert
Ein falscher Zolltarifcode kann dazu führen, dass du zu viel oder zu wenig Zoll zahlst. Zu wenig klingt erst gut — bis der Zoll eine Nachprüfung macht und du Nachzahlungen plus Strafzuschläge bekommst. Lass deinen Spediteur den Code bestätigen und prüfe selbst im EU-TARIC-Portal.
Fehler 2: Keine Produktzertifizierung vor der Bestellung
CE-Kennzeichnung, GPSR-Verantwortliche-Person, WEEE-Registrierung — je nach Produktkategorie brauchst du diese vor dem Import. Wenn deine Ware ohne CE-Kennzeichnung am Zoll steht, wird sie im besten Fall zurückgehalten, im schlimmsten Fall vernichtet. Mehr dazu im nächsten Abschnitt und im GPSR-Artikel.
Fehler 3: Keine Warenversicherung
Seefracht ist günstig, aber ein Container kann verloren gehen, beschädigt werden oder im Hafen feststecken. Eine Transportversicherung kostet typisch 0,5–1,5 % des Warenwerts. Bei einer 10.000-€-Bestellung sind das 50–150 €. Ohne Versicherung trägst du den vollen Verlust.
Fehler 4: EUSt-Vorfinanzierung nicht eingeplant
Wie oben beschrieben: 19 % EUSt auf den Gesamtwert musst du vorstrecken. Wenn du das nicht in deinem Cashflow eingeplant hast, fehlt dir plötzlich Liquidität für PPC oder die nächste Bestellung.
Realistische Kosten-Übersicht: erste Bestellung
| Posten | Kosten (Beispiel: 500 Einheiten, 5 kg/Einheit) |
|---|---|
| Warenwert (FOB) | 5.000 € |
| Seefracht (LCL) | 600 € |
| Transportversicherung | 60 € |
| Zoll (3,5 %) | 198 € |
| EUSt (19 %) | 1.113 € (rückerstattbar) |
| Spediteur-Pauschale | 75–150 € |
| Prep-Center | 200–400 € |
| Gesamt (cash out) | ~7.250–7.520 € |
| Davon rückerstattbar (EUSt) | ~1.113 € |
| Effektive Kosten | ~6.140–6.410 € |
Pro Einheit: ~12,30–12,80 € effektive Kosten bis ins FBA-Lager. Das ist der Wert, der in deine True-COGS-Kalkulation gehört.
Timeline: wie lange dauert der erste Import?
| Phase | Dauer |
|---|---|
| Muster bestellen und prüfen | 2–3 Wochen |
| Großbestellung aufgeben | 15–30 Tage Produktion |
| Seefracht (China → Deutschland) | 30–45 Tage |
| Zollabwicklung | 2–5 Tage |
| Prep und FBA-Einlieferung | 5–10 Tage |
| Gesamt | ~10–15 Wochen |
Plan realistisch. Viele Anfänger rechnen mit 6 Wochen und sind dann frustriert, wenn es 12 werden. Lieber konservativ planen und positiv überrascht werden.
Nächste Schritte
- EORI-Nummer beantragen — falls noch nicht vorhanden
- Spediteur-Angebote einholen — mindestens 3 vergleichen
- TARIC-Code für dein Produkt recherchieren
- Produktsicherheit und CE-Kennzeichnung prüfen — vor der Bestellung
Den vollständigen Kontext zu allen FBA-Startkosten in Deutschland findest du im Amazon FBA Kosten 2026-Artikel.
Fragen zum Import-Prozess? Schreib mir per Kontaktformular.
Ekaterina Rubtcova
Amazon-Verkäuferin seit 2018 · Gründerin der Kochgeschirr-Marke Daniks · Gründerin von Daniks.AI
Mein Daniks-Kochgeschirr ist Top-1 in Deutschland und aktuell Top-20 in den USA. Um die PPC dafür zu steuern, habe ich Daniks.AI gebaut — heute im Einsatz bei hunderten Amazon-Marken. In diesem Blog zeige ich, wie ich wirklich arbeite. Keine Kurse, keine Upsells.
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