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GPSR-Compliance für Nicht-EU-Amazon-Seller 2026

Ekaterina Rubtcova 9 Min. Lesezeit
Play: Amazon FBA: US vs Europe Market — The Brutal Truth

Wenn du auf Amazon.de, Amazon.fr, Amazon.it, Amazon.es oder einem anderen Amazon-EU-Marktplatz von außerhalb der EU verkaufst, ist die General Product Safety Regulation — GPSR — die Verordnung, die entscheidet, ob deine Listings online bleiben oder still aus der Suche verschwinden.

Ich betreibe die Daniks-Kochgeschirr-Marke auf Amazon.de (Top-1 in Deutschland) und Amazon.com (Top-20 in den USA). Als die GPSR am 13. Dezember 2024 in Kraft trat, habe ich beobachtet, wie Nicht-EU-Seller in meinen eigenen Kategorien innerhalb von Wochen Sichtbarkeit auf Amazon.de verloren — nicht weil ihre Produkte unsicher waren, sondern weil den Listings eine bestimmte Information fehlte, die Amazon jetzt verlangt.

Hier ist, was die GPSR tatsächlich von Nicht-EU-Amazon-Sellern verlangt, was die Compliance-Optionen kosten, und in welcher Reihenfolge du das beheben solltest, falls du es noch nicht getan hast.

Was die GPSR ist und warum sie zählt

GPSR — Verordnung (EU) 2023/988 — ist die EU-Verordnung zur allgemeinen Produktsicherheit. Sie ersetzte die ältere GPSD am 13. Dezember 2024. Die Kernänderung: Jedes Nicht-Lebensmittel-Konsumprodukt, das auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht wird, braucht eine benannte „verantwortliche Person” (Responsible Person) mit einer verifizierbaren EU-Postanschrift — aufgeführt auf der Produktseite und auf der Verpackung.

Wenn du ein US-Seller, UK-Seller oder chinesischer Seller bist, der in Amazon FBA EU einliefert — das betrifft dich. Es gibt keinen Mindestumsatz. Es gibt keine Ausnahme für kleine Seller. Die Verordnung deckt jeden ab, der ein Konsumprodukt auf dem EU-Markt in Verkehr bringt, einschließlich über Marktplatz-Plattformen.

Amazons Enforcement-Timeline:

  • 13. Dezember 2024 — GPSR tritt in Kraft. Amazon beginnt, neue EU-Listings auf Compliance zu prüfen.
  • 2025 — Amazon rollt das GPSR Compliance Dashboard in Seller Central aus. Nicht-konforme neue Listings werden in der Suche unterdrückt.
  • 2026 — Volle Durchsetzung auf bestehende Listings. Nicht-konforme Listings — alt oder neu — werden deaktiviert. Amazon warnt nicht vor der Deaktivierung, und die Reaktivierung dauert 7–21 Tage, sobald du die fehlenden Informationen einreichst.

In meinen eigenen Kategorien auf Amazon.de habe ich beobachtet, wie Listings von Nicht-EU-Sellern innerhalb von 30 Tagen nach Beginn der GPSR-Durchsetzung von Seite 1 auf Seite 8 in den Suchergebnissen gefallen sind. Gleiches Produkt, gleiche Reviews, gleicher Preis — nur keine verantwortliche Person auf dem Listing.

Wer als Nicht-EU für GPSR-Zwecke gilt

Du brauchst eine verantwortliche Person in der EU, wenn keiner der folgenden Punkte zutrifft:

  • Deine verkaufende Entität ist in einem EU-Mitgliedstaat registriert (DE, FR, IT, ES, PL, NL, BE usw.)
  • Deine verkaufende Entität ist in Nordirland registriert (das trotz Brexit als EU für GPSR zählt)
  • Der Produkthersteller sitzt in der EU und hat zugestimmt, als deine verantwortliche Person zu agieren
  • Ein EU-basierter Importeur oder Distributor handhabt dein Produkt in die EU und akzeptiert die Pflichten der verantwortlichen Person

Die meisten US- und UK-basierten Amazon-FBA-Seller, die direkt in Amazon EU einliefern, fallen in die „braucht verantwortliche Person”-Kategorie. Ebenso die meisten chinesischen Seller auf Amazon.de.

Für deutsche Seller: Wenn du in Deutschland sitzt und eine GmbH, UG oder ein Einzelunternehmen betreibst, bist du automatisch EU-ansässig und brauchst keine separate verantwortliche Person. Du bist selbst die verantwortliche Person. Die GPSR betrifft dich dennoch hinsichtlich der Informationspflichten auf dem Listing.

Was die verantwortliche Person tatsächlich tut

Die verantwortliche Person in der EU ist eine echte Rechtsrolle mit konkreten Pflichten:

  1. Verifizieren, dass das Produkt konform ist mit anwendbaren EU-Sicherheitsvorschriften (CE-Kennzeichnung, RoHS, REACH, EMV usw., je nach Kategorie)
  2. Technische Dokumentation pflegen und auf Anfrage den Behörden zur Verfügung stellen, typischerweise für 10 Jahre
  3. Unter der angegebenen Adresse erreichbar sein — Name, Postanschrift, E-Mail — für Sicherheitsanfragen von EU-Behörden
  4. Bei Korrekturmaßnahmen kooperieren, falls das Produkt als unsicher gemeldet wird (Rückruf, Marktentnahme, Unfallmeldung)
  5. Schwere Vorfälle melden an das EU-Safety-Gate-System (RAPEX)

Das ist kein Briefkasten-Service. Die verantwortliche Person kann für Produktsicherheit in der EU rechtlich haftbar gemacht werden.

Drei Compliance-Wege und ihre Kosten

Option 1: Drittanbieter-Responsible-Person-Service beauftragen

Unternehmen wie EU Compliance Partner, Easecert, Compliance Gate und mehrere spezialisierte Dienste bieten Responsible-Person-Abdeckung auf Produkt- oder Markenbasis.

Realistische Kostenspannen (Stand April 2026):

  • Pro-Produkt/SKU-Pläne: 100–300 € pro Produkt pro Jahr, höher für regulierte Kategorien (Elektro, Spielzeug, Kosmetik, Baby)
  • Pro-Marke/Unlimited-Pläne: 600–2.500 € pro Jahr für eine Marke mit unbegrenzten SKUs in nicht-regulierten Kategorien
  • Einmalige Setup-Gebühren: 100–400 € für Dokumentationsprüfung und Onboarding

Für die meisten Amazon-Seller mit 1–20 SKUs in Standardkategorien (Küche, Haus, Zubehör, Garten, Tierbedarf) liegt der typische Landepunkt bei einem Pro-Marke-Plan im 800–1.500-€-Bereich.

Was du vor der Zahlung verifizieren solltest:

  • Die EU-Postanschrift des Anbieters muss eine echte physische Adresse sein, kein Forwarder
  • Sie müssen bereit sein, auf dem tatsächlichen Listing und der Verpackung als verantwortliche Person genannt zu werden
  • Sie müssen die Haftungsdokumentation schriftlich akzeptieren
  • Sie müssen dir eine Methode geben, die Adresse über alle EU-Marktplätze zu aktualisieren (DE, FR, IT, ES, NL usw.)

Option 2: Eigene EU-Entität gründen

Wenn du genug Volumen in die EU verkaufst, dass Compliance-Services teuer werden:

  • Estland e-Residency + OÜ: 300–500 € Setup, 40–100 €/Monat für Virtual Office. Der beliebteste Ansatz für Nicht-EU-Seller, da Estland Remote-Gründer akzeptiert.
  • Deutschland GmbH oder UG: 500–2.000 € Setup inkl. Notar, IHK-Gebühren, Buchhaltungs-Setup. Mehr Vertrauen, aber schwerere laufende Compliance. Die Details zur Rechtsformwahl für Amazon FBA helfen hier.
  • Irland Limited Company: 300–800 € Setup, 50–150 €/Monat. Beliebt für englischsprachige Seller.
  • Niederlande BV: 1.000–2.500 € Setup. Stärker für Seller mit substanzieller niederländischer Marktpräsenz.

Sobald du eine EU-Entität hast, kannst du dich selbst als verantwortliche Person auf jedem Listing benennen — aber du erbst auch lokale USt-, Buchhaltungs- und Meldepflichten. Für Seller mit 100.000+ €/Jahr EU-Umsatz zahlt sich das oft aus. Darunter ist ein Responsible-Person-Service meist günstiger.

Option 3: Hersteller oder bestehenden EU-Distributor als RP einsetzen

Wenn dein Hersteller in der EU sitzt, frag schriftlich, ob er als verantwortliche Person auf deinen Listings agiert. Viele machen das, besonders wenn du ein bedeutender Kunde bist. Vereinbarung schriftlich festhalten — Amazon kann den Nachweis verlangen.

Für chinesisch hergestellte Private-Label-Produkte — also den Großteil des Amazon-FBA-Inventars — ist diese Option selten verfügbar. Chinesische Fabriken werden nicht deine verantwortliche Person in der EU.

Was auf Listing und Verpackung muss

Per Artikel 4 der GPSR muss jedes Konsumprodukt auf dem EU-Markt anzeigen:

  • Herstellername und Postanschrift — der echte Produzent
  • Typ-/Chargen-/Seriennummer oder anderes Identifizierungselement — typisch die SKU oder Modellnummer
  • Name und Postanschrift der verantwortlichen Person, wenn der Hersteller außerhalb der EU sitzt
  • E-Mail-Adresse oder anderes elektronisches Kontaktmittel der verantwortlichen Person

Amazon verlangt diese Information an zwei Stellen:

  1. Produkt-Listing auf jedem EU-Marktplatz — eingegeben über das GPSR Compliance Dashboard in Seller Central. Du musst es separat für Amazon.de, Amazon.fr, Amazon.it, Amazon.es, Amazon.nl eingeben.
  2. Physische Produktverpackung oder Produktkennzeichnung — die gleiche Information muss auf oder mit dem Produkt selbst erscheinen. Falls du die Verpackung nicht sofort nachdrucken kannst, ist ein Aufkleber mit den erforderlichen Informationen am EU-Fulfillment-Center als Übergangsmaßnahme akzeptabel.

Was passiert, wenn du geflaggt wirst

Amazon flaggt GPSR-Non-Compliance über drei Mechanismen:

  1. Automatische Dashboard-Warnung — das GPSR Compliance Dashboard wird rot. Typisch 14 Tage zum Beheben, bevor das Listing unterdrückt wird.
  2. Käufer- oder Wettbewerber-Meldung — jeder kann ein Listing als nicht-konform melden. Diese Meldungen lösen oft sofortige Unterdrückung aus.
  3. Nationale Behörden-Durchsetzung — deutsche, französische oder italienische Marktüberwachungsbehörden können Amazon direkt auffordern, ein Listing zu entfernen. Dieser Weg ist 2026 aktiv und die Wiederherstellung deutlich schwieriger.

Bei Listing-Unterdrückung:

  • Schritt 1: Informationen der verantwortlichen Person über das GPSR Compliance Dashboard einreichen.
  • Schritt 2: Listing-Copy aktualisieren — Hersteller- und RP-Details in Beschreibung oder A+ Content einfügen.
  • Schritt 3: RP-Informations-Aufkleber auf Inventar in EU-FBA-Lagern anbringen. Amazons Labeling-Service kann das für 0,30–0,55 € pro Einheit, oder du reichst eine Removal Order ein, etikettierst selbst und sendest neu.
  • Schritt 4: Case in Seller Central öffnen mit Verweis auf dein Compliance-Update. Reaktivierung dauert 7–21 Tage bei sauberer Ersteinreichung.

Häufige Fehler vermeiden

  1. Forwarder-Adresse als verantwortliche Person nutzen. Ein Forwarder kann keine rechtliche Haftung für Produktsicherheit übernehmen. Amazon und EU-Behörden prüfen das.
  2. Großhändler als RP listen, ohne deren Einverständnis. Wird gegen EU-Unternehmensregister abgeglichen. Wenn die gelistete Entität nicht zugestimmt hat, wird das Listing entfernt.
  3. Estnische OÜ gründen, aber die physische Adresse vergessen. Ein Registered Office in Estland erfüllt die Firmeneintragung, aber eine verantwortliche Person braucht eine physische Adresse, an der Post und Inspektoren tatsächlich ankommen können.
  4. Pro-Marktplatz-Eintrag in Seller Central überspringen. Das GPSR Compliance Dashboard verlangt separate Eingabe für jeden EU-Marktplatz. Einen Marktplatz überspringen = Listing dort unterdrückt.
  5. GPSR als einmaliges Fix behandeln. Es ist laufend. Wenn sich deine verantwortliche Person ändert, musst du Amazon innerhalb von 30 Tagen aktualisieren.
  6. Glauben, „wir verkaufen wenig, uns passiert nichts.” Kein Volumenschwellenwert in der GPSR. Ein 15-€-Artikel an einen deutschen Verbraucher verkaufen löst die gleiche Compliance-Pflicht aus wie 10.000 davon.

Was ich diese Woche tun würde

Wenn deine Amazon-EU-Listings noch nicht GPSR-konform sind:

  1. Aktuellen Stand auditieren. In Seller Central einloggen, GPSR Compliance Dashboard öffnen, prüfen welche Listings geflaggt sind.
  2. Weg wählen. Für die meisten Seller mit EU-Umsatz unter 100.000 €/Jahr ist ein Responsible-Person-Service (800–1.500 €/Jahr) schneller und günstiger als eine EU-Entität. Darüber die Rechnung mit dem Steuerberater machen.
  3. Vertrag diese Woche abschließen. Compliance-Services haben Onboarding-Warteschlangen — ein heute beauftragter Service wird oft erst 7–14 Tage später wirksam.
  4. Listings aktualisieren. RP-Details auf jedem EU-Marktplatz eingeben. A+ Content aktualisieren. Relabeling-Aufkleber bestellen, falls die Verpackung nicht vor der nächsten Inventarsendung nachgedruckt werden kann.
  5. Erneuerungskalender aufstellen. RP-Vertragsverlängerungsdatum in den gleichen Kalender eintragen wie Brand Registry, Markenverlängerungen und USt-Fristen. Compliance-Lücken passieren meist bei Verlängerungen, nicht beim Erstabschluss.

Wenn du auf Amazon EU verkaufst und Mitte 2026 keine verantwortliche Person eingerichtet hast, erwarte Listing-Verluste. Amazon war klar bezüglich der Timeline, und EU-Behörden fordern jetzt aktiv Takedowns nicht-konformer Listings.

Die gute Nachricht: Das ist ein gelöstes Problem. Responsible-Person-Service wählen, Vertrag unterschreiben, Listings aktualisieren. Die Gesamtkosten für Compliance liegen für die meisten Amazon-FBA-Seller weit unter 1 % des jährlichen EU-Umsatzes.

Für das breitere EU-vs-US-Amazon-Bild — USt, Pan-EU, Retourenquoten, Review-Velocity — lies meinen Amazon.de vs. Amazon.com Vergleich. Für den deutschen FBA-Setup-Leitfaden von A bis Z: Amazon FBA in Deutschland starten 2026.

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Ekaterina Rubtcova — Amazon-Verkäuferin, Gründerin der Marke Daniks und von Daniks.AI

Ekaterina Rubtcova

Amazon-Verkäuferin seit 2018 · Gründerin der Kochgeschirr-Marke Daniks · Gründerin von Daniks.AI

Mein Daniks-Kochgeschirr ist Top-1 in Deutschland und aktuell Top-20 in den USA. Um die PPC dafür zu steuern, habe ich Daniks.AI gebaut — heute im Einsatz bei hunderten Amazon-Marken. In diesem Blog zeige ich, wie ich wirklich arbeite. Keine Kurse, keine Upsells.

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