Amazon Negative Keywords richtig nutzen — Anleitung
Negative Keywords sind der Hebel in Amazon PPC, den die meisten Seller entweder gar nicht nutzen oder falsch nutzen. Das Ergebnis: 20–40 % deines Werbebudgets fließt in Klicks, die nie konvertieren werden — „Kostenlos”-Sucher, falsche Produktkategorien, Konkurrenz-ASINs ohne Kaufabsicht.
Bei Daniks habe ich durch systematisches Negative-Keyword-Management den ACoS meiner Sponsored-Products-Kampagnen um durchschnittlich 6 Prozentpunkte gesenkt — ohne einen einzigen profitablen Suchbegriff zu verlieren. Die Technik ist nicht kompliziert, aber sie erfordert Disziplin und den Search Term Report als Datengrundlage.
Was Negative Keywords sind und wie sie funktionieren
Ein Negative Keyword sagt Amazon: „Zeige meine Anzeige nicht, wenn jemand nach diesem Begriff sucht.” Du definierst damit, wo deine Anzeige nicht erscheinen soll — im Gegensatz zu normalen Keywords, die definieren, wo sie erscheinen soll.
Zwei Match Types für Negative Keywords:
- Negative Phrase: deine Anzeige wird nicht gezeigt, wenn der Suchbegriff die negative Phrase enthält. Negatives Phrase-Keyword „kostenlos” blockiert „topf kostenlos”, „kostenlose lieferung topf”, „kostenlos kochtopf set”.
- Negative Exact: deine Anzeige wird nur für genau diesen einen Suchbegriff nicht gezeigt. Negatives Exact-Keyword „kostenlos” blockiert nur die Suche „kostenlos” — nicht „kostenlose lieferung topf”.
Es gibt kein „Negative Broad” bei Amazon. Das ist ein häufiger Denkfehler von Google-Ads-Umsteigern.
Wann du Negative Keywords brauchst — die fünf Signale
Signal 1: hohe Impressionen, null Verkäufe
Öffne deinen Search Term Report (Seller Central → Werbung → Berichte → Search Term Report, Zeitraum: letzte 60 Tage). Sortiere nach Impressionen absteigend. Suchbegriffe mit > 500 Impressionen und null Bestellungen sind Kandidaten für Negative Keywords.
Signal 2: Klicks ohne Conversion bei wiederkehrenden Begriffen
Suchbegriffe, die über 4 Wochen hinweg Klicks generieren, aber nie konvertieren, sind systematische Budget-Verbrenner. Ein einzelner Klick ohne Kauf ist normal. 15 Klicks auf „kochtopf billig” ohne Kauf über 60 Tage ist ein Muster.
Signal 3: falsche Produktkategorie
Wenn du Kochgeschirr aus Edelstahl verkaufst und dein Search Term Report „emaille topf” oder „keramik pfanne” zeigt — das sind Käufer, die ein anderes Material suchen. Sie klicken vielleicht, kaufen aber nicht.
Signal 4: irrelevante Modifikatoren
Suchbegriffe mit Modifikatoren wie „gebraucht”, „kostenlos”, „gratis”, „selber machen”, „DIY”, „Anleitung” deuten auf Nutzer hin, die nicht kaufen wollen.
Signal 5: Konkurrenz-ASINs und Markennamen
Wenn deine Auto-Kampagne auf Konkurrenz-ASINs oder Markennamen bietet und dort nicht konvertiert, solltest du diese negativ einbuchen — es sei denn, du führst bewusst eine Conquesting-Strategie.
Schritt-für-Schritt: Negative Keywords aus dem Search Term Report extrahieren
Schritt 1: Search Term Report herunterladen
Seller Central → Werbung → Berichte → erstelle einen „Search Term”-Bericht für die letzten 60 Tage. Lade ihn als CSV herunter.
Schritt 2: Filter setzen
Öffne die Datei in Excel oder Google Sheets. Setze diese Filter:
- Klicks ≥ 10 und Bestellungen = 0 → Budget-Verbrenner mit genug Daten
- Ausgaben ≥ 2× dein Ziel-CPA und Bestellungen = 0 → teure Nicht-Konvertierer
Beispiel: wenn dein Ziel-CPA bei 5 € liegt, filtere nach Ausgaben ≥ 10 € und Bestellungen = 0.
Schritt 3: klassifizieren
Gehe die gefilterten Suchbegriffe manuell durch. Frage dich bei jedem:
- Ist der Suchbegriff grundsätzlich irrelevant für mein Produkt? → Negative Phrase (blockiert alle Varianten)
- Ist der Suchbegriff relevant, konvertiert aber speziell nicht? → Negative Exact (blockiert nur diesen einen Begriff)
Beispiel: du verkaufst einen Edelstahl-Kochtopf.
- „keramik topf” → Negative Phrase „keramik” (du verkaufst kein Keramik — blockiere alle Varianten)
- „kochtopf set 10 teilig” → Negative Exact (wenn du nur ein 5-teiliges Set hast, aber „kochtopf set” an sich relevant ist)
Schritt 4: Negative Keywords eintragen
In Seller Central → Werbung → Kampagne öffnen → „Negative Keywords” Tab → Keywords hinzufügen.
Wichtig: trage Negative Keywords auf Kampagnenebene ein, nicht auf Anzeigengruppenebene, wenn du sicher bist, dass der Begriff für das gesamte Produkt irrelevant ist. Auf Anzeigengruppenebene nur, wenn der Begriff in einer Anzeigengruppe stört, aber in einer anderen relevant sein könnte.
Die universelle Negative-Keyword-Liste für deutsche FBA-Seller
Diese Begriffe sind für fast jedes Produkt irrelevant. Trage sie als Negative Phrase in jede neue Kampagne ein:
- kostenlos / gratis / umsonst
- gebraucht / second hand
- Anleitung / Tutorial / wie funktioniert
- Bewertung / Erfahrung / Test (wenn du keine Review-Sucher willst)
- selber machen / DIY / basteln
- reparieren / Ersatzteil (es sei denn, du verkaufst Ersatzteile)
- mieten / leihen
Prüfe nach zwei Wochen den Search Term Report — manchmal blockierst du mit „Anleitung” als Phrase unbeabsichtigt relevante Long-Tail-Begriffe. Korrigiere dann auf Exact.
Negative Keywords in Auto-Kampagnen: die wichtigste Anwendung
Auto-Kampagnen sind die größten Budget-Verbrenner, weil Amazon entscheidet, auf welche Suchbegriffe und ASINs deine Anzeige geschaltet wird. Ohne Negative Keywords läuft eine Auto-Kampagne wie ein Gartenschlauch ohne Düse — überall Wasser, nirgends gezielt.
Mein Workflow für Auto-Kampagnen:
- Woche 1–2: Auto-Kampagne laufen lassen, Daten sammeln.
- Woche 3: Search Term Report ziehen. Alle nicht-konvertierenden Suchbegriffe mit ≥ 8 Klicks als Negative eintragen.
- Parallel: konvertierende Suchbegriffe aus der Auto-Kampagne in eine manuelle Exact-Kampagne überführen — und dort gezielt bieten.
- Woche 5: Auto-Kampagne erneut auswerten. Neue Nicht-Konvertierer negativ einbuchen.
- Laufend: alle 2 Wochen wiederholen.
Das ist der „Search Term Harvest”-Workflow, den ich auch im PPC-Strategie-Leitfaden beschreibe. Negative Keywords sind die Kehrseite davon: du erntest die Gewinner in manuelle Kampagnen und blockierst die Verlierer in der Auto-Kampagne.
Häufige Fehler beim Negative-Keyword-Management
Fehler 1: zu aggressiv negativ einbuchen
Wenn du nach 3 Klicks und 0 Bestellungen schon negativ einbuchst, hast du nicht genug Daten. Bei einer Conversion Rate von 10 % brauchst du statistisch 10 Klicks, um eine Bestellung zu erwarten. Warte auf mindestens 10–15 Klicks, bevor du entscheidest.
Fehler 2: Negative Phrase statt Negative Exact
„Topf” als Negative Phrase blockiert alles mit „Topf” — auch „edelstahl kochtopf set”. Das passiert, wenn Seller frustriert sind und breite Begriffe negativ einbuchen. Nutze Negative Phrase nur für Begriffe, die grundsätzlich und in jeder Kombination irrelevant sind.
Fehler 3: Negative Keywords setzen und vergessen
Dein Markt verändert sich. Ein Suchbegriff, der vor 6 Monaten nicht konvertiert hat, könnte heute relevant sein — weil sich dein Listing verbessert hat, weil sich die Saison geändert hat, weil ein Wettbewerber ausgestiegen ist. Überprüfe deine Negative-Keyword-Liste quartalsweise und entferne Einträge, die nicht mehr sinnvoll sind.
Fehler 4: Negative Keywords nicht kampagnenübergreifend synchronisieren
Wenn du einen Suchbegriff in der Auto-Kampagne negativ einbuchst, aber in der manuellen Kampagne vergisst — oder umgekehrt —, fließt das Budget über den anderen Kanal weiter in denselben irrelevanten Traffic. Führe eine zentrale Liste und synchronisiere sie über alle Kampagnen hinweg.
Was Negative Keywords nicht lösen können
Negative Keywords eliminieren Streuverluste. Sie lösen keine grundsätzlichen Probleme:
- Schlechte Conversion Rate — wenn relevante Suchbegriffe nicht konvertieren, liegt das an deinem Listing, nicht an deinem Targeting.
- Zu hoher CPC — Negative Keywords senken deine Kosten indirekt (weniger Verschwendung), aber sie senken nicht den Klickpreis auf relevante Keywords.
- Falsches Produkt — wenn dein Produkt in einem übersättigten Markt steht, helfen dir Negative Keywords nicht gegen 200 identische Listings.
Wenn dein ACoS trotz sauberer Negativliste über deinem Ziel liegt, lies den PPC-Einsteiger-Leitfaden für die Grundlagen und den TACoS-Artikel, um zu verstehen, ob dein Problem wirklich bei der Werbung liegt — oder beim organischen Ranking.
Ekaterina Rubtcova
Amazon-Verkäuferin seit 2018 · Gründerin der Kochgeschirr-Marke Daniks · Gründerin von Daniks.AI
Mein Daniks-Kochgeschirr ist Top-1 in Deutschland und aktuell Top-20 in den USA. Um die PPC dafür zu steuern, habe ich Daniks.AI gebaut — heute im Einsatz bei hunderten Amazon-Marken. In diesem Blog zeige ich, wie ich wirklich arbeite. Keine Kurse, keine Upsells.
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