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Amazon FBA in Deutschland starten 2026 — der ehrliche Leitfaden

Ekaterina Rubtcova 9 Min. Lesezeit
Play: Amazon FBA: US vs Europe Market — The Brutal Truth

Wenn du 2026 auf Amazon.de starten willst, brauchst du nicht den 47-stündigen Online-Kurs für 1.997 €. Du brauchst eine ehrliche Liste mit den fünf, sechs Setup-Schritten, die in Deutschland tatsächlich erforderlich sind — und du musst wissen, in welcher Reihenfolge sie kommen.

Hier ist der Leitfaden, den ich gerne gehabt hätte, als ich 2018 mit Daniks angefangen habe. Heute steht die Marke Top-1 in Deutschland und Top-20 in den USA — und in den ersten 18 Monaten habe ich praktisch jeden Setup-Fehler gemacht, den man machen kann. Diese Liste hilft dir, sie zu überspringen.

Schritt 0: ehrlich prüfen, ob du wirklich auf Amazon.de starten willst

Bevor wir in das Setup gehen — eine Frage, die Anfänger nie stellen, aber stellen sollten: ist Amazon.de der richtige Marktplatz für dich, oder solltest du direkt auf Amazon.com starten?

Vorteile Amazon.de:

  • Du sitzt in Deutschland, sprichst die Sprache, kennst die rechtlichen Rahmenbedingungen.
  • Setup-Kosten sind 5–10× niedriger als für einen US-Setup mit LLC, EIN, US-Bank.
  • Du musst keine Drittland-Logistik organisieren.
  • Käufer-Support kannst du selbst leisten, ohne Englisch-Probleme.

Nachteile Amazon.de:

  • Markt ist 4–5× kleiner als der US-Markt.
  • Reviews kommen 4–10× langsamer.
  • Margen sind im Schnitt 5–8 Prozentpunkte niedriger (Preissensibilität).
  • Pan-EU-Compliance kostet ab Skalierungsphase 4.000–8.000 €/Jahr extra.

Mein Rat: wenn du Anfänger in Deutschland bist und unter ~30.000 € Startkapital hast, starte auf Amazon.de. Die niedrigeren Setup-Kosten geben dir mehr Spielraum für die ersten teuren Lernfehler. Die tieferen Unterschiede zwischen Amazon.de und Amazon.com habe ich in einem separaten Artikel aufgeschlüsselt.

OK — gehen wir davon aus, du startest auf Amazon.de. Hier ist die Reihenfolge.

Schritt 1: Gewerbeanmeldung und Rechtsform

Du kannst Amazon FBA nicht als Privatperson betreiben. Die Hobby-Verkäufer-Schwelle wird in der ersten Bestellung gerissen. Was du brauchst:

Gewerbeanmeldung beim örtlichen Gewerbeamt — in den meisten Städten in 1–3 Tagen erledigt, kostet 25–40 €. Du gibst eine Tätigkeitsbeschreibung an („Online-Handel über Amazon Marketplace”) und eine Adresse. Wenn du keine separate Gewerbeadresse hast, geht deine Privatadresse — beachte aber, dass diese im Impressum auf jedem Listing erscheinen wird. Viele Verkäufer holen sich einen Coworking- oder virtuellen Bürodienst (50–150 €/Monat) für eine professionellere Adresse.

Rechtsform-Wahl — drei realistische Optionen:

  • Einzelunternehmen: einfachste Form, kommt automatisch mit der Gewerbeanmeldung. Du haftest persönlich. Steuerlich zahlst du Einkommensteuer auf den Gewinn (progressiv, bis 45 %). Empfehlung für Start mit < 50.000 € Jahresumsatz.
  • UG (haftungsbeschränkt): „Mini-GmbH”. 1 € Stammkapital, Notar-Kosten ca. 300–500 €, IHK-Mitgliedschaft (jährliche Beiträge je nach Region 50–250 €). Gibt dir Haftungsbeschränkung. Sinnvoll, wenn du persönliches Privatvermögen hast, das du schützen willst.
  • GmbH: 25.000 € Stammkapital (davon 12.500 € sofort zu hinterlegen). Notar 500–1.500 €. Höhere Buchhaltungspflichten. Steuerlich Körperschaftsteuer + Gewerbesteuer (~30 % effektiv) — günstiger als progressive ESt, sobald du > 60.000 € Gewinn hast.

Mein Rat für die meisten Starter: Einzelunternehmen für die ersten 12–18 Monate, dann Wechsel auf UG/GmbH, sobald die Marke profitabel ist und es sich rechnet. Den Wechsel kann ein Steuerberater sauber abwickeln — kostet einmalig 800–1.500 €.

Schritt 2: Steuernummer und USt-IdNr.

Nach der Gewerbeanmeldung schickt dir das Finanzamt automatisch den steuerlichen Erfassungsbogen (kommt typischerweise 1–4 Wochen später per Post). Den füllst du aus.

Wichtige Felder:

  • Voraussichtliche Umsätze in Jahr 1 und Jahr 2 — schätze realistisch. Zu hohe Schätzungen führen zu monatlicher (statt quartalsweiser) USt.-Voranmeldungspflicht.
  • Kleinunternehmerregelung — die Frage „Möchten Sie die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen?”. Mein Rat: NEIN ankreuzen, sobald du ernsthaft Amazon FBA betreiben willst. Die Vorsteuer-Abzugsmöglichkeit ist wertvoller als die Befreiung von der USt.-Pflicht — siehe meine ausführliche Aufschlüsselung im Mehrwertsteuer-Artikel.
  • USt-IdNr. — kreuze an, dass du eine willst. Wird kostenlos vom Bundeszentralamt für Steuern ausgestellt. Du brauchst sie, sobald du grenzüberschreitend in der EU verkaufst (ab 10.000 € jährliche EU-Cross-Border-Verkäufe greift OSS). Antrag dauert 2–4 Wochen.

Nach Bearbeitung bekommst du:

  • Steuernummer (für nationale Umsätze)
  • USt-IdNr. (für EU-grenzüberschreitende Geschäfte) — Format: DE + 9 Ziffern

Beides brauchst du für das Amazon-Verkäuferkonto.

Schritt 3: Verpackungsgesetz (LUCID) und ggf. WEEE/BattG

Das ist der Schritt, den 80 % der Anfänger übersehen — und der Amazon dir die Listings deaktivieren lässt, sobald sie es bemerken.

LUCID-Verpackungsregister: Pflicht für jeden, der verpackte Waren an deutsche Endkunden versendet. Inklusive Verkäufer aus dem Ausland. Registrierung unter verpackungsregister.org ist kostenlos und in 30 Minuten erledigt. Du gibst eine geschätzte Verpackungsmenge an (in kg pro Material: Karton, Plastik, Holz).

Nach LUCID-Registrierung brauchst du eine Verpackungslizenz bei einem dualen System (Der Grüne Punkt, Reclay, Interzero, Lizenzero). Kosten skalieren mit Verpackungsvolumen — typisch 50–300 €/Jahr für Anfänger.

WEEE / Elektrogesetz: pflichtig, wenn du Produkte mit elektronischen Komponenten verkaufst. Auch viele Produkte, die du nicht als „elektronisch” einstufen würdest (LED-Lichter, USB-Kabel, Geräte mit Batterie). Registrierung bei Stiftung Elektro-Altgeräte Register (Stiftung EAR). Kostet 250–500 € Setup pro Marke + jährliche Gebühren.

BattG (Batteriegesetz): pflichtig, wenn dein Produkt Batterien enthält oder mit Batterien verkauft wird. Registrierung im BattG-Melderegister. Vergleichbare Kostenstruktur.

Praktisch wichtig: Amazon prüft die LUCID-Registrierung aktiv und sperrt Listings ohne gültigen Eintrag. Erledige LUCID bevor du das erste Mal Inventar an Amazon FBA sendest. Sonst kannst du Wochen auf Listing-Reaktivierung warten.

Schritt 4: EORI-Nummer (für Drittland-Importe)

Wenn du Ware aus China, der Türkei oder anderen Nicht-EU-Ländern importierst — was bei Private-Label-FBA fast immer der Fall ist — brauchst du eine EORI-Nummer für den Zoll.

Beantragung über das Zoll-Portal zoll.de → „Bürger- und Geschäftskundenportal” → EORI-Nummer beantragen. Kostenlos, dauert 1–3 Wochen.

Format: DE + 12 Ziffern, abgeleitet von deiner Steuernummer.

Ohne EORI-Nummer hält der Zoll deine Container fest und du zahlst Lagergebühren von 30–80 € pro Tag, bis du sie nachgereicht hast. Erledige es VOR der ersten Bestellung beim Lieferanten.

Schritt 5: Markenanmeldung — Voraussetzung für Brand Registry

Brand Registry ist Amazons Programm für Markeninhaber. Du bekommst:

  • Schutz vor Listing-Kapern und Hijackern
  • A+ Content (Premium-Listing-Layouts mit Bildern und Tabellen)
  • Sponsored Brands und Sponsored Display Werbung
  • Brand Story-Modul
  • Zugriff auf Project Zero und Transparency-Programm

Voraussetzung: eine eingetragene Marke. Zwei realistische Optionen:

  • DPMA-Marke (Deutsches Patent- und Markenamt): nur in Deutschland gültig. Ab 290 € für die Anmeldung in 3 Klassen. Amazon Brand Registry akzeptiert sie aktuell für Amazon.de, aber nicht für Amazon.fr/it/es.
  • EUIPO-Marke (Europäische Union): gültig in allen EU-Mitgliedsstaaten. 850 € für die erste Klasse, +50 € für die zweite Klasse (also 900 € für 2), +150 € ab der dritten Klasse (also 1.050 € für 3). Gilt für ALLE EU-Amazon-Marktplätze.

Für FBA-Verkäufer, die mehr als nur Amazon.de bedienen wollen: EUIPO ist die richtige Wahl. Die ~600 € Aufpreis sind nichts im Vergleich zur Doppel-Anmeldung später.

Fördertipp: Der EUIPO KMU-Fonds 2026 erstattet kleinen und mittleren Unternehmen bis zu 75 % der amtlichen Markenanmeldegebühren. Antrag musst du VOR der Markenanmeldung stellen — die Reihenfolge ist wichtig, sonst entfällt die Erstattung. Details auf der EUIPO-Website unter „SME Fund 2026”.

Anmeldedauer: 4–8 Monate bei der EUIPO ohne Widerspruch. Du kannst Brand Registry erst beantragen, wenn die Marke eingetragen ist (nicht „angemeldet” — eingetragen). Plane das früh ein.

Schritt 6: Amazon-Verkäuferkonto eröffnen

Mit allem oben kannst du jetzt das Amazon-Verkäuferkonto auf sellercentral.amazon.de eröffnen. Was du bereithältst:

  • Personalausweis oder Reisepass
  • Aktueller Kontoauszug (nicht älter als 90 Tage)
  • USt-IdNr.
  • Steuernummer
  • Gewerbeanmeldung
  • Geschäftsadresse (auch Privatadresse möglich, erscheint im Impressum)
  • Kreditkarte (für Verifikation und FBA-Gebühren-Abrechnung)

Verifikation dauert typisch 3–10 Tage. Manchmal schickt Amazon eine Postkarte mit Verifikationscode an die angegebene Geschäftsadresse — gilt als zusätzliche Identitätsprüfung.

Professional-Verkäuferplan: 39 € pro Monat zzgl. USt. (also effektiv 46,41 € brutto), statt der Individual-0,99-€-pro-Verkauf-Option. Für FBA praktisch zwingend, weil du nur als Professional Sponsored Products schalten und Brand Registry nutzen kannst.

Schritt 7: GPSR-Compliance — neu seit Dezember 2024

Die EU-Produktsicherheitsverordnung (GPSR) verlangt seit Dezember 2024, dass auf jeder Produktseite und auf der Verpackung eine „verantwortliche Person” mit EU-Adresse genannt wird. Name, Postadresse, E-Mail.

Wenn du in Deutschland sitzt und dein Unternehmen in Deutschland ist, kannst du dich selbst nennen. Wenn du außerhalb der EU sitzt, brauchst du einen Authorised Representative-Service (mehrere Anbieter, Kosten typisch 200–600 €/Jahr pro Produktkategorie).

Amazon prüft das aktiv. Listings ohne GPSR-konforme Angaben werden in der Suche unterdrückt.

Was du in Schritt 1–7 NICHT brauchst

Vorgreifend — was du oft in Anfängerkursen siehst, aber NICHT zwingend brauchst:

  • Keine LLC oder Auslandsgesellschaft: für Amazon.de reicht ein deutsches Einzelunternehmen.
  • Kein VPN: Amazon erkennt VPN-Nutzung und kann das Konto sperren.
  • Kein Helium 10/Jungle Scout-Abo am ersten Tag: für die Setup-Phase brauchst du keine Keyword-Tools. Erst wenn du anfängst, Produkte zu recherchieren — dann lohnt es sich (39–79 €/Monat).
  • Kein US-Bankkonto: nur für Amazon.com relevant.

Realistische Setup-Kosten zum Mitschreiben

Für einen sauberen Start auf Amazon.de mit eigener EUIPO-Marke:

PostenEinmaligLaufend (Jahr 1)
Gewerbeanmeldung30 €
Steuerberater Setup-Beratung200–400 €1.200–2.400 €
LUCID + Verpackungslizenz0 €50–300 €
WEEE (falls relevant)250–500 €100–250 €
EORI0 €
EUIPO-Markenanmeldung850–1.050 €
Amazon Professional-Plan468 €
Erste Inventory-Lieferung3.000–8.000 €
PPC-Anlauf (3 Monate)1.500–4.000 €
Gesamt Jahr 14.330–10.080 €3.318–6.950 €

Das ist die ehrliche Zahl. Mit 8.000–17.000 € im ersten Jahr starten viele erfolgreiche FBA-Verkäufer — ohne den 5.000-€-Kurs und ohne übertriebene Tool-Stacks.

Drei konkrete Schritte für diese Woche

  1. Mache die Gewerbeanmeldung beim örtlichen Gewerbeamt. Dauert 1–3 Tage, kostet 30 €. Damit hast du die Basis für alles weitere.
  2. Beantrage die EORI-Nummer auf zoll.de — kostenlos, 1–3 Wochen Bearbeitung. Hast du sie, kannst du beim Sourcing nicht von der Logistik überrascht werden.
  3. Wenn du ein Produkt im Kopf hast: prüfe die Markenverfügbarkeit auf tmdn.org (TMview) für EU. Wenn die Marke frei ist, kannst du direkt EUIPO-Anmeldung starten — die 4–8 Monate Bearbeitungszeit nutzt du parallel zum Sourcing und zur Listing-Erstellung.

Wenn du beim Setup feststeckst — schreib mir per Kontaktformular oder kommentiere unter den @AmazonFBAGirl YouTube-Videos. Ich antworte selbst.

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Ekaterina Rubtcova — Amazon-Verkäuferin, Gründerin der Marke Daniks und von Daniks.AI

Ekaterina Rubtcova

Amazon-Verkäuferin seit 2018 · Gründerin der Kochgeschirr-Marke Daniks · Gründerin von Daniks.AI

Mein Daniks-Kochgeschirr ist Top-1 in Deutschland und aktuell Top-20 in den USA. Um die PPC dafür zu steuern, habe ich Daniks.AI gebaut — heute im Einsatz bei hunderten Amazon-Marken. In diesem Blog zeige ich, wie ich wirklich arbeite. Keine Kurse, keine Upsells.

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